Hermann Müller

1876-1931

Als SPD-Vorsitzender und Reichskanzler prägt der Mannheimer Bürgersohn die Weimarer Republik an vorderster Stelle mit.

Der Mannheimer Kaufmannssohn Hermann Müller gehört zu den Schlüsselfiguren der Weimarer Republik. In der parlamentarischen Demokratie sieht der Sozialdemokrat die bestmögliche Staatsform. Deshalb kämpft er jahrelang erst um ihre Erlangung und dann um ihren Erhalt:

Am Jahreswechsel 1918/19 trägt Müller an führender Stelle dazu bei, die deutsche Rätebewegung auf einen parlamentarischen Kurs zu bringen. Als erster Demokrat im Amt des Reichsaußenministers leitet er 1919 die Demokratisierung der deut­schen Diplomatie in die Wege. Dass er den demütigenden Versailler Friedensvertrag unterzeichnen muss, begreift Müller als Auftrag, die Folgen dieses Vertrags für Deutschland zu lindern. Zunächst aber beseitigt er 1920 als Kanzler eines Übergangskabinetts die Folgen des Kapp-Putschs. Als Oppositionsführer trägt er danach maßgeblich zu einem Kurs der Verständi­gung des Deutschen Reichs mit den Siegermächten des Ersten Weltkriegs bei - einem Kurs, den die rechtsgerichteten Parteien als 'Erfüllungspolitik' verunglimpfen.

Nachdem Müller im Zuge der Reichstagswahl 1928 wieder ins Amt des Reichskanzlers gelangt ist, kann er zusammen mit Reichsaußenminister Stresemann eine Senkung der deutschen Reparationszahlungen sowie eine vorzeitige Räumung der linksrheinischen Reichsgebiete durchsetzen, die von den Siegermächten seit Jahren besetzt gehalten werden. Den massiven Abbau von Arbeitnehmerrechten und sozialen Leistungen, den Politiker anderer Parteien in den Jahren zuvor in Gang gesetzt haben, kann er hingegen nicht aufhalten.

Der Sturz der Regierung Müller im März 1930 markiert den Anfang vom Ende der Demokratie, die letzte Chance der Weimarer Republik ist verspielt. Das Kabinett seines Amtsnachfolgers Heinrich Brüning wird nicht mehr von einer Mehrheit des Reichstags getragen. Dennoch kämpft Müller erfolgreich darum, dass die SPD diese Regierung toleriert. Er tut dies nicht, weil er mit Brünings unsozialer Politik einver­standen wäre, sondern weil er Deutschlands Weg in eine Diktatur doch noch stoppen will.

Von linken wie rechten Extremisten verunglimpft und im politischen Tageskampf verschlissen, stirbt Hermann Müller im März 1931 im Alter von nur 54 Jahren an einem Gallenleiden. Seine Partei bereitet ihm in Berlin ein großes Begräbnis. Tausende von Menschen geben dem Sarg das letzte Geleit. Vielleicht spüren sie ja, dass mit Müller die Demokratie zu Grabe getragen wird. (ah)

Zur Person

1876

geboren in Mannheim

Seit 1906

Mitglied des Reichsvorstands der SPD

Seit 1916

Mitglied des Deutschen Reichstags

1919/20

Reichsaußenminister

1919-1931

SPD-Vorsitzender

1920

Reichskanzler

1920-1928

Oppositionsführer im Deutschen Reichstag

1928-1930

Reichskanzler

1931

gestorben in Berlin nach schwerer Krankheit

Die republikanische Verfassung ist nur ein Stück Papier, wenn hinter ihr nicht die Heere der Republikaner stehen, jederzeit bereit, sie mit allen Mitteln gegen jeden Angriff zu verteidigen. (Hermann Müller 1927)